Mit flächendeckenden Straßennutzungsgebühren zu einer nachhaltigen Mobilität – Beispiel Niederlande

Autor: 
Eduard Sjerp, Botschaftsrat der niederländischen Botschaft und Leiter der Verkehrsabteilung

Die Niederländische Zielsetzung, eine konkurrenzfähige und dynamische Wirtschaft zu kreieren und dauerhaft einen prominenten Platz in der Europäischen Wirtschaft einzunehmen, bedeutet ein ständiges Abwägen und Treffen von Entscheidungen.

Mobilität ist ein wichtiger Pfeiler der Gesellschaft und essentiell für eine gesunde Wirtschaft. Mobilität hat in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen. Außer den wirtschaftlichen und demografischen Entwicklungen sind auch raumordnungs-, soziale und kulturelle Entwicklungen wichtige Faktoren für die Zunahme der Mobilität. Der Mobilitätszuwachs ist in den Niederlanden hauptsächlich von der bestehenden Infrastruktur aufgefangen worden und ggf. wurde die Infrastruktur an bestimmten Stellen erweitert. Das sekundäre Netzwerk und die Öffentlichen Verkehrsmittel sind gemeinsam mit den räumlichen Entwicklungen gewachsen, dies gilt aber nur im geringeren Maße für die ländlichen Netzwerke. Dadurch ist ein strukturelles Kapazitätsdefizit entstanden. Außerdem ist das Mobilitätssystem nicht flexibel genug um der wechselnde Nachfrage am Tag anzupassen und auf Zwischenfälle zu reagieren. Die Kapazitätsgrenzen in den Stoßzeiten sind in Großteilen der Randstadt und Umgebung erreicht. Der Reisezeitverlust ist schneller gewachsen als in der „Note Mobilität“ vorhergesehen wurde.

Möchte die Niederlande seine Ambitionen realisieren, muss gehandelt werden.

Erwartete wird, dass die Einführung von „Anders Betalen voor Mobiliteit (ABvM)“ einen bremsenden Effekt auf das Mobilitätswachstum haben wird, aber gestoppt wird das Wachstum dadurch nicht. Studien zeigen, dass die Einführung von ABvM - abhängig vom gewählten Umsetzungsszenario - zu einer Reduktion von 15% der gereisten Kilometer führt und dies wiederum bedeutet eine größere Reduktion des CO2 als in der „Note Mobilität“ angenommen. Auf längere Sicht hat der Kilometerpreis Einfluss auf Entscheidungen bei der Wahl der Wohn- und Arbeitsstandorte der einzelnen Haushalte und der Firmenstandorte. Die Stoßzeittarife tragen, durch ihr gezieltes Eingreifen, relativ viel bei zur Verringerung von Staus. Die Einführung von ABvM wird einen positiven Effekt auf die Umsetzung der Umweltrichtlinien haben, da die Umweltmerkmale der einzelnen Fahrzeuge ein wichtiges Element bei der Tariffestlegung darstellen.

Das Referat wird detailliert auf die Hintergründe zur Einführung von ABvM, auf das Konzept und die Umsetzung der Vorhaben eingehen.



AttachmentSize
Sjerp.heureka.Vortr.22.3.2010.pdf660.62 KB
Kategorien: